Der Begriff „Lügenpresse“ ist nicht neu. Er wurde bereits im 19. Jahrhundert und dann besonders in den 1920er Jahren von den Nationalsozialisten als anti-liberaler Kampfbegriff verwendet. Er unterstellte schon damals, dass auch und gerade demokratische Medien von bestimmten politischen Kräften (seien es Unternehmen, Regierungen oder Intellektuellen) zentral gesteuert würden. Das war und ist Unsinn.

Richtig ist, dass Medien…

  • immer die Gesellschaft, deren aktuellen Werte, und deren Mehrheitsvorstellungen widerspiegeln
  • von dem Verkauf von Nachrichten, also den Erwartungen der Zielgruppen, beeinflusst werden
  • durch die Notwendigkeit von Knappheit und Schnelligkeit zwangsläufig Fakten und Argumente auswählen und andere ausblenden müssen
  • von Menschen gemacht werden, die unter Stress und Zeitdruck Fehler machen

Das ist bekannt. Bekannt ist auch, dass gerade heute sowohl im Netz als auch in staatlich gesteuerten Medien ganze Kriege von Desinformation und Propaganda ausgetragen werden. Russlands aggressive Medienpolitik ist ein gutes Beispiel dafür. Auch Donald Trumps gewissenloser Umgang mit Fakten hat in den USA eine ganze Kultur von Fact Checking provoziert.

Was viel zu wenig diskutiert wird ist die Tatsache, dass die Medien (übrigens wie alle anderen Berufsbranchen) zunehmend von sich stetig vergrößernden Bildungslücken ihrer Mitarbeiter geplagt werden. Wer intellektuell nicht begreift, wie eine pluralistische Gesellschaft im Kern funktioniert, und wie Nachrichten eigentlich zustande kommen, der kann auch den Journalismus argumentativ nicht verteidigen. Schlimmer noch: Er ist selber anfällig für Zweifel daran. Und wer bei fast jeder politischen und historischen Frage Zeit zum Googeln braucht, der kann den Medienapparat auch nicht sinnvoll bedienen.

 

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